Die Konferenz

Wir freuen uns auf drei Tage voll Performances, Ausstellungen und Workshops
- und natürlich auf euch, unsere Gäste!

Herzlich willkommen zur ersten Ausgabe von ENJOY COMPLEXITY – Konferenz für Digitalität und Theater. Wir sind aufgeregt und voller Vorfreude. Für uns am Schauspiel Dortmund – von den technischen Abteilungen über das Schauspiel-Ensemble bis hin zur künstlerischen Leitung –  ist diese Konferenz nicht einfach eine unter anderen. Sie ist viel mehr. Denn sie markiert einen Meilenstein bei der Gründung der Akademie für Digitalität und Theater als sechste Sparte am Theater Dortmund: ein Plan, den wir seit zwei Jahren verfolgen und der nun bald Realität wird.

 

Die Akademie für Theater und Digitalität

Die Akademie will die klaffende Lücke zwischen technischem Fortschritt und nur langsam wachsendem Knowhow an den Theaterbühnen in Deutschland und darüber hinaus schließen. Sie will forschen, ausbilden, selbstermächtigen und qualifizieren und die immensen Möglichkeiten digitaler Technologien fruchtbar machen: nicht nur für die Kunst auf der Bühne, sondern auch für die Betriebsabläufe, die in ihrem Dienst stehen. Es geht um Robotik, Sensorik, Augmented Reality, Virtual Reality, Mixed-Reality, Motion Tracking und Künstliche Intelligenz. Die Akademie will Technologie mit den Mitteln der Kunst entwickeln, ausprobieren und ihre komplexen Auswirkungen für die Menschen befragen – ohne ökonomischen Druck und mit der Möglichkeit, auch mal zu scheitern. Damit übernimmt sie auch eine zivilgesellschaftliche Verantwortung, die Wirtschaftsunternehmen unter dem Druck ihrer Bilanzen nicht wahrnehmen können. Wir haben drei Säulen entwickelt, die der Akademie ihre Grundstruktur verleihen wird: Labor, Studium und Weiterbildung. Wer mehr darüber und zu den Zielen der Akademie erfahren will: hier gibt es ein PDF zum Download.

Das Theater war immer eine Seh-Maschine, ein technisch und architektonisch ausgeklügelter Apparat, in dessen Zentrum das sicht- und hörbare Erscheinen von Körpern stand. Körper von Menschen. Stets hat das Theater auf den neuesten Stand technologischer Entwicklung geschielt und nützliche Erfindungen in sein System integriert. Das Theater hat sich mit jeder neuen Technologie als Kunstform aufs Neue selbst entgrenzt. Seilwinden, Gaslampen, Tonträger, elektrisches Licht, Kinematographen, Hubpodien. In den 1990ern haben die Qualitätssprünge in der digitalen Bildverarbeitung dazu geführt, dass die Live-Kamera von der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz aus ihren Siegeszug antreten konnte. Videobilder, ob live oder vorproduziert, sind heute nicht mehr wegzudenken aus der zeitgenössischen Theaterpraxis und haben sich seit den 1990ern vielfältig weiterentwickelt.

Die explodierenden Rechenleistungen in den letzten fünfzehn Jahren haben nun noch ganz andere technische Möglichkeiten hervorgebracht. Zum Beispiel sind VR-Brillen wie die Oculus Rift für den Verbrauchermarkt erschwinglich geworden. Überall leisten Künstler_innen derzeit Pionierarbeit, um die Möglichkeiten von Virtual Reality für die Darstellende Kunst zu verstehen. Und in nicht allzu ferner Zukunft wird wohl auch der Marktpreis der Microsoft HoloLens fallen. Nicht zu reden von stark vereinfachten Methoden, um Bewegungen und dreidimensionale Körper im Raum zu tracken und in Echtzeit in virtuelle Umgebungen zu übertragen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden schon bald noch mehr avancierte Kunstformen entstehen, die virtuelle und analoge Realität miteinander vermischen und ihr Verhältnis lustvoll und kritisch befragen.

 

Das Konferenzprogramm

Der Ablauf der Konferenz gliedert sich in drei Abschnitte (zum vollständigen Programm kommen Sie hier). Am Eröffnungsabend (Freitag, 23. Februar) ist ab 17 Uhr die Lounge geöffnet und die Ausstellung für alle Besucher begehbar. Um 19 Uhr geht es dann offiziell los: mit der Eröffnung der Konferenz durch die Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Isabel Pfeiffer-Poensgen, gefolgt von einer Keynote durch Marc Grandmontagne, Geschäftsführer im Deutschen Bühnenverein.

Im Anschluss gibt es zwei Mal für jeweils fünfzig Zuschauer die Möglichkeit, die interaktive Tanzperformance CORPUS (PYGMALION) von Chris Ziegler anzuschauen. Parallel dazu wollen wir in der Lounge feiern und miteinander ins Gespräch kommen. Für alle, die in Dortmund in Hotels untergebracht sind, gibt es später einen Shuttlebus zurück in die Innenstadt. Alle anderen fahren gemeinsam mit der S-Bahn Richtung Stadt (Abfahrt z.B. 23:53h oder 00:23h).

Den Samstag beginnen wir mit Kaffee, Orangensaft und der Selbstvorstellung von zehn ausgewählten (internationalen) Projekten und Institutionen, die das Feld zwischen Theater und Digitalität bearbeiten. Nach dem Mittagessen gehen wir dann in die Workshops und Vorträge, die unter anderem diese Fragen stellen: Was für Theaterformate werden derzeit mit Augmented Reality entwickelt? Wie könnten die digitalisierten Theaterinstitutionen der Zukunft strukturiert sein? Welche Technologien aus Industrie 4.0 und Internet der Dinge haben Potential für die Darstellende Kunst? Lässt sich der Umgang mit Virtual Reality auf der Bühne mit der Radiotheorie von Bertolt Brecht besser verstehen? Wie bringt man Maschinen mit Hilfe von Code dazu, tanzen zu lernen? Es laufen immer drei Veranstaltungen parallel, die jeweils 60 Minuten dauern – mit großzügig bemessenen Pausen.

Am Samstagabend fahren wir dann wieder gemeinsam mit der S-Bahn ins Theater, essen dort zu Abend und schauen uns anschließend 4.48 Psychose von Sarah Kane (Regie: Kay Voges) an. Wer mag, kann anschließend um ca. 21.15h an einer Einführung in das technische Setup der Vorstellung durch unsere Medienkünstler Mario Simon und Lucas Pleß teilnehmen. Der Abend klingt aus mit einem Konzert von Moritz Simon Geist / Sonic Robots.
Sonntag beginnen wir um 10 Uhr mit weiteren Workshops, gefolgt von einer abschließenden Lesung. Um 13.30 Uhr ist offiziell Schluss. Wer mag, kann anschließend noch an einer geführten Tour durch die Ausstellung Afro-Tech im Hardware MedienKunstverein (HMKV) im Dortmunder U teilnehmen. Die Guides werden Inke Arns (Künstlerische Leiterin des HMKV) und Fabian Saavedra-Lara (Kurator vom medienwerk.nrw) sein. Die Vorstellung von Flammende Köpfe (Regie: Arne Vogelgesang) über rechte Propaganda im Netz beginnt um 18:30 Uhr im Studio.

Der Ort und die Ausstellung

Wir freuen uns, dass wir unsere Gäste bereits in den zukünftigen Räumlichkeiten der Akademie begrüßen dürfen. Die ehemalige Grundschule am Kleyer Weg 90 (hier geht‘s zur Anfahrt) stand zuletzt leer, davor diente das Gebäude als Unterkunft für Geflüchtete. Die Schule bietet uns mit acht ehemaligen Klassenräume in zwei Gebäuden sowie zahlreichen Büro- und Aufenthaltsräumen gute Startbedingungen für die Akademie.

Im Rahmen der Ausstellungen präsentieren wir über die gesamte Schule verteilt künstlerische Forschungsarbeiten aus den Bereichen Virtual Reality, Augmented Reality, Motion Tracking und Künstliche Intelligenz/Robotik. In allen Arbeiten erkennen wir formale und inhaltliche Potentiale für die Darstellende Kunst. Alle Künstler_innen sind auf dem Festival anwesend und stehen Fragen und Anregungen offen zur Verfügung, teilweise werden die präsentierten Arbeiten in den Workshops vertieft. Ein besonderes Bonbon der Ausstellung wird eine Microsoft HoloLens sein, die uns der Programmierer Dominik Bay mitbringt, und die von allen Besucher_innen auch ausprobiert werden kann.

So. Genug. Bis hierhin erstmal. Wir freuen uns auf Sie!

 

Michael Eickhoff , Alexander Kerlin (Künstlerische Leiter der Konferenz), Kay Voges (Intendant des Schauspiels)

 

Danksagung: Wir danken der Dortmunder Wilo-Foundation sowie der Heinrich Böll-Stiftung Berlin für ihre finanzielle Unterstützung. Dem medienwerk.nrw (Fabian Saavedra-Lara und Klaas Werner) danken wir für die finanzielle Unterstützung und inhaltliche Beratung. Ohne das Land Nordrhein-Westfalen und die Förderung aus dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft wäre die Realisierung der Konferenz nicht möglich gewesen. Der Stadt Dortmund einen herzlichen Dank für die umfassende Unterstützung bei der Suche der Immobilie für die Akademie und für die unbürokratische Umsetzung. Insbesondere danken wir Stadtdirektor Jörg Stüdemann und Claudia Komorek von Amt für Immobilienwirtschaft. Ein Dank für Beratung und Unterstützung geht darüber hinaus an Prof. Dieter Gorny (european center for creative economy) und an Sebastian Franssen (Architektur.dlx).